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Street food in Vietnam

Article created: June 2016 | updated: April 2019

Die Garküchen in Saigon

Es ist noch dunkel als Frau Ho ihren kleinen Karren an einer viel befahrenen Straße gegenüber eines Hochhauses mit modernen Apartments und schicken Büroräumlichkeiten platziert.

Es braucht nicht viel bis sie ihre Garküche eröffnen kann. Sie feuert den Holzkohle-Herd ein und fixiert die Plastikplane, die mit Hilfe zweier Bambus-Masten ihren Arbeitsplatz vor unerwartetem Regen schützt. Frau Ho öffnet die Kühltruhe die hinten an ihrem Wagen befestigt ist und befördert alle vorbereiteten und separat verpackten Zutaten für ihr Suppengericht ans Tageslicht. Die vorgekochten Nudeln, das frische Gemüse und die Kräuter, das Rindfleisch und die behutsam zugeschnittenen Würfel aus geronnenem Schweineblut werden mit Bedacht in die im Wagen integrierte Vitrine einsortiert. Frau Ho ist bereit für das tägliche Geschäft.

Bei Sonnenaufgang trudeln die ersten Kunden ein. Die wenigen Plätze an den kniehohen Tischen sind schnell besetzt. Viele ihrer Kunden sind auf dem Weg zur Arbeit und legen einen kurzen Stopp bei Frau Ho ein. Andere wiederum kommen von der Nachtschicht und genießen das köstliche Frühstück in der Morgendämmerung. Motorräder halten vor der Garküche und prall gefüllte Tragetaschen mit dem frisch zubereiteten Gericht wechseln den Besitzer.

Um zehn Uhr ist alles vorbei. Mit einem Lächeln packt Frau Ho ihre Sachen zusammen und macht sich auf den Weg nach hause. Nur kurze Zeit später beansprucht ein Kaffee- und Tee Verkäufer denselben Platz an der viel befahrenen Strasse und bietet bis zum Abend seine Getränke, frische Früchte und das hausgemachte Süssgebäck feil.

In Vietnam findet das Leben auf der Straße statt. Ganz besonders in den dicht besiedelten Innenstädten trifft dies zu. Es macht oftmals den Anschein, als würden die Vietnamesen ihren Alltag wenn nicht gar ausschließlich auf dem Gehsteig, zumindest mit Blick auf die Straße bestreiten. Die starre Trennung zwischen öffentlichem und privatem Raum verwischt gänzlich, wenn sich die Leute die Haare auf dem Bürgersteig schneiden lassen, Geschirr spülen, Reparaturen aller Art tätigen oder ausgiebigen Handel betreiben.

Parallel dazu wird immer und überall auf den Straßen gekocht und natürlich auch gegessen. Dementsprechend beanspruchen die Garküchen viel Platz im öffentlichen Bereich der hiesigen Dörfer und Städte. 

Cơm bụi heißt übersetzt "Reis-Staub" oder staubiges Essen. Gemeint sind damit die Gerichte, die auf den Straßen jeder Ortschaft in Vietnam gekocht und

angeboten werden. Kochen und Essen auf der Straße ist in Vietnam selbstverständlich und prägt das Alltagsbild.

Das war jedoch nicht immer so. Das Phänomen Cơm bụi ist entgegen aller Vermutungen eher jung.

Mittag- oder Abendessen zu Hause mit der Familie war früher - genau wie bei uns auch - heilig.

Politische sowie wirtschaftliche Einflüsse und neue Arbeitsgewohnheiten haben die Esskultur weitgehend verändert. Die gesellschaftliche Umwälzung durch die drei Jahrzehnte  Unabhängigkeitskrieg war enorm und hat eine große Anzahl von Personen in alle Himmelsrichtungen verstreut und Familien auseinander gerissen.

Die marktwirtschaftlichen Reformen Đổi mới Mitte der achtziger Jahre brachten dem Land ein bis heute anhaltendes wirtschaftliches Wachstum und eine tiefe Arbeitslosenquote. Längere Arbeitszeiten und größere Distanzen zwischen Arbeitsplatz und dem Wohnort haben auch die Essgewohnheiten grundlegend verändert.

Die Beliebtheit von Cơm bụi ist aber nicht nur wirtschaftlich oder politisch zu erklären. Zusammen auf der Straße essen und trinken passt zu der kollektivistischen vietnamesischen Kultur in der man gerne Dinge zusammen macht. "An mot minh dau tuc" ist ein Vietnamesisches Sprichwort und heißt soviel wie: Alleine Essen ist schmerzhaft.

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Vietnamese Street Food Gallery
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