• Pascal ✵

Abenteuer Kaffee ✯ Die Kaffeekultur in Vietnam

Updated: Mar 30




9. Jahrhundert | Afrika | Ursprung & Geschichte des Kaffees

Von roten Beeren, tanzenden Ziegen und euphorisierten Mönchen Die Entdeckung des Kaffees

Wir befinden uns im 9. Jahrhundert, bei Kaldi, einem Ziegenhirten der seine Ziegenherde das ganze Jahr durch die Steppen von Äthiopien führte. Eines Morgens saß Kaldi auf einer

leichten Erhöhung und beobachtete seine Ziegen die unterhalb des Hügels die spärlich wachsenden Gräser, Kräuter und die Blätter von den Büschen fraßen. Etwas stimmte nicht

mit den Tieren. Schon als er aufgewacht war, ging eine seltsame Unruhe durch die Herde. Keine ängstliche Unruhe, wie wenn Gefahr durch wilde Tiere im Anmarsch wäre.

Eine Stunde später, blöckten die Tiere vergnügt, rannten durch die Büsche und die kleineren sprangen übermütig die größeren Tiere an. Er näherte sich dem Geschehen und sah, wie die Ziegen rote Beeren und Blätter von einem Busch aßen, den er noch nie zuvor beachtet hatte. Kaldi probierte einige der roten Beeren. Auch er verspürte das euphorische Gefühl, dass sein Gemüt erhellte und durch den ganzen Körper zu fließen schien.

Beschwingt, Heiter und angetrieben durch das Koffein beschloss der Ziegenhirte, einige Beeren ins nahe gelegene Kloster zu bringen und seine Beobachtungen den Mönchen zu berichten. Die Mönche waren über die Kunde erfreut, wissbegierig fingen sie an mit der Beere zu experimentieren. Durch das Trocknen, Rösten und Mahlen erlangte man schließlich das Getränk, dass die Welt heute vollends erobert hat. Die aufputschende und stimulierende Wirkung fand in den Klöstern durchaus anklang. Der Kaffee begleitete ab dann lange Rituale, Meditationen und Gebete.

So oder ähnlich wurde die Kaffeebeere entdeckt und das Getränk Kaffee erfunden. Geschichten und Mythen über die Entdeckung des Kaffees gibt es einige zu lesen. Klar ist nur, dass die Entdeckung auf das 9. Jahrhundert zurück gehen muss. Äthiopien und der Jemen beanspruchen beide die Entdeckung wie auch die Erfindung des Kaffees für sich und in beiden Ländern erzählt man sich verrückte Geschichten über den Ursprung und wie es zu der ersten Tasse Kaffee gekommen ist. 



16. Jahrhundert | Osmanisches Reich. Orient | Ursprung & Geschichte des Kaffees

"Oriental Beverage of Choice" Die soziale Revolution im Orient

Durch die Süderweiterung des Osmanischen Reiches und die Eroberung des Mittleren Westens rund um das Rote Meer (1512-1520, SelimI) und der Einverleibung der Nordafrikanischen Territorien rund um das Mittelmeer (1520-1566, Suleiman), erreichte Kaffee die gesamte arabische Welt. Ab Ende des 16. Jahrhundert war das Gebräu in Persien, Ägypten, Syrien, im Libanon, Jordanien in der Türkei und später in der Balkanregion erhältlich und mutierte zum Trendgetränk schlechthin. Man trank Kaffee zu jedem Anlass und zu jeder Tageszeit.

Die ersten Kaffeehäuser wurden in Mekka eröffnet. Die muslimischen Pilger die jedes Jahr zu tausenden die heilige Stadt Mekka besuchten, trugen den Ruf des Kaffees als "Wein des Arabers" in die ganze Welt hinaus. Die öffentlichen Kaffeehäuser (Gahveh Khaneh) die bald in jedem Quartier der Stadt eröffnet wurden und später in weiten Teilen des Orients allgegenwärtig waren, veränderten die arabische und nordafrikanische Gesellschaft maßgeblich. Dem Kaffeetrinken wurde bald eine ganz neue Bedeutung beigemessen: Das Kaffeehaus etablierte sich als Treffpunkt und Ort des sozialen Austausches. Neben dem Kaffeegenuss wurde der Besucher mit diversen musikalischen Darbietungen, Tanz und Schauspielen unterhaltet.

Schach wurde gespielt und Wasserpfeife geraucht. Das  wichtigste aber blieben die Konversationen, die Neuigkeiten die erzählt wurden, der Klatsch und Tratsch und die Diskussionen oder Streitgespräche die man führen konnte. Pläne wurden geschmiedet, Meinungen etabliert. Gahveh Khaneh wurde zum "Ort der Weisen" wie man die Cafés nannte und zum Ursprung der neuen intellektuellen Gesellschaft.



Im Jahre 1511 dann das, was kommen musste: Die erste Prohibition. Ein lokaler Gouverneur in Mekka bekam es mit der Angst zu tun. Die Kaffeestuben, die angeblich oppositionelle Brutstätten und Orte der Verschwörung waren, in denen intellektuelle Rädelsführer Pläne gegen die Obrigkeit schmiedeten, wurden postum geschlossen. 13 Jahre später erst, sprach der osmanische Sultan Salem II höchstpersönlich ein Machtwort, legalisierte die Kaffeestuben wieder und verurteilte den paranoiden Gouverneur aus Mekka zum Tode.


Cafés on a branch of the Barrada River (the ancient Pharpar), Damascus, Syria, 1841. From ‘Syria, The Holy Land and Asia Minor’, volume I, by John Carne, published by Fisher, Son & Co., London, 1841.


17. Jahrhundert | Europa | Ursprung & Geschichte des Kaffees

In Gottes Namen

Der Weg von Nordafrika nach Europa war nicht weit. Die guten Handelsbeziehungen zwischen Italien und den Osmanen brachten die Kaffeebohne im 17. Jahrhundert über das Mittelmeer nach Venedig und von dort in alle Länder Europas.


Nicht nur Handelsgüter wurden per Schiff über das Mittelmeer und über die Balkanroute nach Europa gebracht. Auch viele ausgeschmückte Räubergeschichten aus den fremden orientalischen Ländern, die andere Bräuche und Sitten pflegten, fanden den Weg zu den abergläubischen Katholiken nach Europa. Die sogenannte "Bittere Erfindung des Teufels" die den Gestank des Islams mit sich brachte, hatte einen schweren Stand in Europa und wurde dann sogar verboten.

Der Mann mit dem direkten Draht zu Gott, Papst Clement VIII sah das offenbar alles ein wenig lockerer. Als ein großer Kaffeeliebhaber merkte er an, dass Kaffee durchaus ein Getränk der Muslime sowie der Christen sei. "Dieses Teufelsgebräu ist so köstlich - wir sollten den Teufel betrügen statt den Kaffee zu verbieten. Lasst uns den Kaffee zum christlichen Getränk bekehren". Dieses Machtwort, eine Legalisierung in Gottes Namen war entscheidend für den Einzug und die Eroberung des Kaffees in Europa. Bis Ende des 17. Jahrhunderts eröffneten mehrere Tausend Kaffeehäuser in ganz Europa.



Die europäischen Kaffeestuben ähnelten in vielerlei Hinsicht denen im Mittleren Osten und trugen meistens orientalische Namen. Sie waren Orte der öffentlichen Debatte, Ideenfabriken, Orte an denen man Geschäfte machte, Beziehungen knüpfte und pflegte. Aber auch ein Ort an dem Mann sich wohl und zuhause fühlte. Viele der Kaffeehäuser hatten Bed 'n' Breakfast Angebote und Prostituierte gingen ein und aus. Neben der heiter aufputschenden Wirkung sagte man dem Kaffee auch potenzsteigernde und aphrodisierende Eigenschaften nach. Einige Männer schienen in den Kaffeehäusern wirklich ein neues zuhause gefunden zu haben. Das brachte just die mit Kind und Kegel daheim vergessenen Frauen auf den Plan. Großbritannien erfuhr 1674 den ersten Widerstand gegen die Kaffeehäuser. "The Women’s Petition Against Coffee" war eine Petition der aufgebrachten Frauen die den Kaffeekonsum verbieten und die Kaffeehäuser dem Erdboden gleich machen sollte.


Aus: "An Essay In Defence of the Female Sex" von 1696 äußerte sich Mary Astell wie folgt:

"A coffee house habitue is someone who lodges at home, but he lives at the coffee-house. He converses more with newspapers, gazettes and votes, than with his shop-books, and his constant application to the public takes him off all care for his private home. He is always settling the nation, yet could never manage his own family.” 


21. Jahrhundert | Europa & Global | Gegenwart und Zukunft

Kaffee 2020

Der Widerstand ist längst gebrochen und die Kaffee-Gegner sind bekehrt. Cafés sind heute selbstverständlich für Frau und Mann zugänglich. Für die meisten von uns ist Kaffee ein ständiger Begleiter und das erste was wir am Morgen machen. Es würde wohl niemandem in den Sinn kommen, eine Kaffee Prohibition zu lancieren.


Eher werden Stimmen laut wenn zum Beispiel der Schweizer Staat plant, die Kaffeebohne aus dem Katalog der gesetzlich vorgeschriebenen Nahrungsmittelreserven für den Kriegs- oder Katastrophenfall zu streichen (2019). Kaffee sei kein Grundnahrungsmittel und durch die nicht vorhandenen Nährwerte kein lebensnotwendiges Produkt das tonnenweise gehortet werden müsse. Mag so stimmen, das sehen Wohl viele ganz anders.



Es geht auf 2020 zu und der Kaffeemarkt brummt wie nie zuvor. Erst knapp 25% der Weltbevölkerung trinkt bis dato (2018) Kaffee. In den reiferen Märkten sind ca. 60-80% der Menschen dem Kaffee verfallen. Das heißt, es hat noch viel Luft nach oben und die Kaffee Branche ist sich dessen durchaus bewusst. Die Großen Konzerne investieren Milliarden, um die neuen Märkte möglichst schnell und effizient bespielen zu können.


Einer der weltweit größten Konglomerate im Kaffeegeschäft ist wohl die niederländische JDE (JACOBS DOUWE EGBERTS). Dieses Ungetüm von Konzern ist 2015 durch die Fusion der französischen Mondelez International, auch bekannt unter Kraft-Foods und der niederländischen Douwe Egberts Master Blends 1753 entstanden und vereint heute fast alle bekannten Kaffee Brands unter ein und dem selben Dach.


Dicht auf den Fersen - man ahnt es - ist der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé, der neben den vielen anderen Geschäftszweigen knietief im Kaffee-Business steckt und dort auch ganz vorne mitmischt.

Entwicklungsländer scheinen eine Spezialität des Lebensmittel-Giganten zu sein. Immer mit Blick auf Wachstum und die Forecasts und Studien der hausinternen Research Abteilungen. Nestlé nistet sich erstaunlich schnell und lange vor der Konkurrenz in Märkte ein, die Jahre später erst gewinnbringend sind.


Weitere Weltkonzerne die im Kaffeemarkt mitmischen sind Sara Lee Corporation, Tesco, Starbucks und neu auch Coca Cola.


Eines der bekanntesten Kaffee-Labels von Nestlé ist Nespresso, gross und feiß geworden ist das Schweizer Unternehmen geworden mit, wer weiß es? Richtig, Kaffeekapseln.

Der europäische Kapselkrieg ist jedoch seit 2014 verloren. Nespresso hat die weiße Fahne gehisst, Besserung und Kooperation gegenüber der Konkurrenz versprochen. Jahrelang war Nespresso auf Konfrontationskurs mit der Fakekapsel-Konkurrenz. Neben Propaganda-Maßnahmen bei den eigenen Kunden und Garantieverlust auf Nespresso-Maschinen im Falle nachweislichem Fremdkapsel-Gebrauch wartete Nespresso immer mit neuen raffinierten Mechanismen auf, die fremdartige Kapseln beim einlegen in die Nespresso-Maschinen erkannten und zerquetschten. Ausschlaggebend für den Rückzug waren Klagen zweier Fakekapsel-Produzenten bei der französischen Kartellbehörde. Der Marktführer manipuliere mit diesem Vorgehen den freien Markt und stütze so seine Position. Mit den Eingeständnissen wollte man eine absurd hohe Busse abwenden. Das Problem von Nespresso: Die Patente auf diese Geld-Druckmaschine in Kapselform sind leider seit mehreren Jahren ausgelaufen. Shit happens.


Trends

Der Trend liegt ganz klar bei Kaffee als Convenience Produkt. Kapseln, Pads und Instant Kaffeegetränke, einfache Systeme die schnell und gute Resultate erzielen und möglichst keinen Schmutz verursachen.


Die Kaffeebohne als rohes Importprodukt hat - in Europa zumindest - keineswegs an Bedeutung verloren. Der neue Trend, hin zum lokalen Kaffeeröster der Bohnen aus Lateinamerika, Afrika und Asien im Angebot hat, diese direkt beim Produzenten in Übersee bezieht und frisch vor Ort ganz nach dem Geschmack des Kunden veredelt, hat Hochkonjunktur. Wohl eine der nachhaltigsten Wege überhaupt Kaffee zu trinken. Überblick Schweizer Kaffeeröster | Coffee Roaster Guide Europe | Direkter und fairer Kaffeehandel



21. Jahrhundert | China | Gegenwart und Zukunft

China

Die Kaffeeindustrie schaut ganz genau nach China, wo auf dem Kaffeemarkt gegenwärtig Berge versetzt werden . Immer mehr Chinesen trinken neben Tee auch ganz gerne Kaffee. An der Implementierung der "Kaffeekultur" ist wahrscheinlich Starbucks, die den chinesischen Markt 1999 geentert hat nicht ganz unschuldig.

Mit über 3'600 Shops (November 2018) ist der Multi gut auf dem chinesischen Markt in jeder wichtigen Stadt präsent. Seit 2016 hat man die Expansionsgeschwindigkeit nochmals erhöht und eröffnet gern mal im 15-Stunden-Takt neue Starbucks Filialen. 6'000 Outlets sollen bis 2021 eröffnet werden. Auch wenn diese Zahl schwer fassbar ist, wird es damit vielleicht einfacher zu begreifen, wie gross der chinesische Markt wirklich ist.


Man darf aber trotzdem nicht vergessen: Chinas Wachstum hat sich verlangsamt. Der Wohlstand ist zwar gewachsen, dennoch sind die Starbucks Kaffeegetränke Luxus- und Prestige-Produkte die sich viele nicht oder nur selten leisten können.


Starbucks operiert seit 1999 in China.

Wenig Personal Alles Digital

Zwei lokale Kaffee-Chains wollen dem Amerikanischen Multi nun die Stirn bieten. Das sehr aggressiv agierende Unternehmen luckin coffee setzt Starbucks mit den aus dem Boden gestampften 2'300 kleinen Kaffee-Outlets massiv unter Druck. Dabei ist das Unternehmen nicht einmal zwei Jahre alt. Wo Starbucks eröffnet, ist lucking coffee bestimmt nicht weit. Der zweite lokale Kontrahent heißt coffee box. Beide Firmen fahren Hightech-Geschütz des 21. Jahrhunderts auf. Die Shops funktionieren bargeldlos, die im Vergleich zu Starbucks günstigen Kaffeespezialitäten können ausschließlich über eine App geordert werden. Das Getränk steht innert wenigen Minuten zur Abholung bereit oder wird ebenso schnell ausgeliefert.


Coffee Box China

Hier kommt eversys, ein im Kanton Wallis (CH) ansässiges Unternehmen ins Spiel. Die Schweizer stellen hochdynamische Präzisions-Kaffeeautomaten her, die mit Netzwerkschnittstelle und integrierter Software ausgestattet, Aufträge empfangen und vollautomatisch abwickeln können. Das heißt die App von coffee box nimmt die Bestellung des Kunden auf und kümmert sich um die Zahlungsabwicklung, schickt die Daten zum nächstgelegenen Produktionsstandort wo die Kaffeemaschine den Auftrag in kürzester Zeit fertigstellt. Jetzt kommt das wenige Personal vor Ort zum Einsatz und macht das Finishing. Mit Deckel versehen und schöner Verpackung verlässt der Kaffee dann per Motorrad-Kurier die Produktion und wird dem Kunden schon wenig später übergeben.


Die Interaktion verschiedener Geräte über das Internet oder die Weiterleitung von Aufträgen per Application ist ja in dem Sinne nichts Neues. Beeindruckend ist die kurze Zeitspanne zwischen Bestellung und Zustellung und das zu absolut minimalen Kosten.

Der Bestellvorgang per Mobile App sowie die Lieferung generieren eine beachtliche Menge persönlicher Kundendaten, die den Unternehmen natürlich gratis zur Verfügung gestellt werden (müssen).


Abschließend muss vielleicht noch erwähnt werden, dass solche Online-Einkäufe in China zum ganz normalen Alltag gehören und eine Größenordnung und Marktrelevanz erreicht haben, von der man auf anderen Kontinenten weit entfernt ist.



19. und 20. Jahrhundert | Französisch-Indochina | Wurzeln, Anbau, Geschichte

Vietnam und der Kaffee

Der Kaffeeanbau und die daraus entstandene Exportindustrie gehen auf die Zeit vor Französisch-Indochina (1863-1954) zurück. Christliche Missionare brachten einige Kaffeepflanze in den 1850'er Jahren nach Vietnam, suchten geeignete Anbaugebiete und testeten den Anbau in den Highlands erfolgreich.

Die Kolonialregierung Frankreichs initiierte den großflächigen Kaffeeanbau bereits Anfang der 1860'er Jahre und dehnte die Anbaugebiete innert zehn Jahren nochmals um ein Vielfaches aus. Ebenso intensivierte und professionalisierte sich die lokale Kaffee-Veredelung über die Jahre. Bis kurz vor Kriegsbeginn wurden beachtliche Mengen qualitativ hochwertiger Arabica Kaffee nach Übersee verschifft.


Cafés in Französisch Indochina in den 1950'er Jahren.

Während den Kriegsjahren stellte man die Kaffee Produktion gezwungenermaßen gänzlich ein. Das Hochplateau Buôn Ma Thuôt in der Region Đắk Lắk mit klimatisch hervorragenden Voraussetzungen für Kaffee, war nach dem Krieg (1975) so gut wie verlassen. Gezielte Umsiedlungen und weitreichende unterstützende Maßnahmen der neuen Kaffeebauern war nötig, um die Kaffee-Produktion wieder vollständig in Betrieb zu nehmen. Es dauerte aber noch Jahre bis das Produktions-Level der Vorkriegszeit erreicht werden konnte.


Die im Vergleich zu Arabica eher pflegeleichte und ertragreiche Robusta-Pflanze kann auch in niedrigen Lagen gut kultiviert werden, was die Ausweitung der Kaffee-Nutzflächen in Đắk Lắk begünstigte. Man erntete drei bis vier Mal im Jahr und verkaufte den rohen Kaffee ins Ausland.




20. Jahrhundert | Sozialistische Republik Vietnam | Kriegsjahre und Sozialismus

Kommando-Ökonomie und Đổi Mới

Nach Kriegsende übernahm der siegreiche Norden und die Kommunistische Partei das Ruder in Vietnam. Die Einführung der Kommando-Ökonomie läutete das Ende der freien Marktwirtschaft ein. Dies bedeutete auch die Verstaatlichung des privaten Sektors. Alle Produktionen wurden nun zentralisiert überwacht, die sektorielle Umverteilung sowie Import und Export vom staatlicher Hand kontrolliert.

Der wirtschaftliche Aufschwung blieb durch die komplette Unterdrückung des freien Marktes und durch zunehmende Abschottung gegen außen gänzlich aus. Ein Desaster für ein Land das 30 Jahre Krieg hinter sich hat. Die Einflussnahme des Staates förderte vor allem die Ineffizienz und bereits Ende der 1970'er Jahre wurden kleinere Reformen im planwirtschaftlichen System vorgenommen.


1985 dann eine Wirtschaftskrise die weitere Justierungen, vor allem im Agrarwesen zur verlangte. Im Sommer 1986 verstarb der damalige Parteivorsitzende Lê Duẩn. Die alteingesessene Parteispitze kam massiv unter Druck und musste sich Seitens der Presse harsche Kritik und Vorwürfe der Misswirtschaft gefallen lassen. Auch hochrangige und einflussreiche Parteifunktionäre waren sich bewusst, dass nur ein Umdenken und eine Änderung des Wirtschaftssystem, Vietnam aus der Krise führen konnte. Im Dezember 1986 tagte der 6. Nationale Kongress der Kommunistischen Partei Vietnams in Hanoi. Nguyễn Văn Linh wurde als neuer Parteivorsitzender und Generalsekretär gewählt und die top-down Đổi Mới Reform wurde beschlossene Sache. Erste Schritte zur Öffnung des nationalen Marktes folgten sogleich.


Hilfe kam aus den umliegenden ASEAN Industrieländern, die ihrerseits ein großes Interesse an der Öffnung Vietnams und dem freien Markt in ganz Südost Asien hatten. Den mehrfach im Ausland eingeladenen vietnamesischen Wirtschaftsdelegationen wurde aufgezeigt wie der Markt schnell und effizient angekurbelt werden konnte. 1995 trat Vietnam als siebter Staat der Association of Southeast Asian Nations bei.

In den 1990'er Jahren herrschte sowas wie Goldgräberstimmung in Vietnam. Die schrittweise umgesetzte nationale Marktliberalisierung und die Öffnung Vietnams hin zum Weltmarkt - auch als "Sozialistisch-orientierte Marktwirtschaft" bekannt - brachte einigen Vietnamesen mit der richtigen Idee am richtigen Ort unglaublich viel Reichtum.


So auch im Kaffeegeschäft. "The Vietnamese Coffee King" wie ihn The Forbes einstmals in einem Artikel nannte, heißt Đặng Lê Nguyên Vũist Founder und Chairman der Trung Nguyen Coffee Corporation mit heutigem Sitz in Ho Chi Minh City. Die Firma ist heute in den Geschäftsfeldern Röstkaffee, Kapseln und Instantkaffee im Premium Segment in über 60 Ländern tätig. Chairman Vũ hat früh erkannt, dass im chinesischen Kaffeemarkt ein gigantisches Wachstumspotential schlummert und hat frühzeitig sein Imperium danach ausgerichtet.



Angefangen hat Vũ 1996 mit einem Café und einer kleinen Rösterei in seinem Heimatort Buôn Ma Thuột, in Đắk Lắk. Trung Nguyen Coffee wuchs schnell und ist heute Vietnams Aushängeschild in Sachen Kaffeehandel.


Wo es Gewinner gibt, sind die Verlierer oftmals nicht weit.** Das ist das Prinzip der freien Marktwirtschaft und des Kapitalismus. Durch den nimmersatten Expansionsdrang der großen Kaffeeproduzenten und Exporteure, fanden von den regionalen Behörden autorisierte Land Übernahmen statt, bei denen die einheimische Bergbevölkerung über den Tisch gezogen und gleichwertige Ausgleichszahlungen für das wertvolle Land nicht oder nur teilweise stattfanden. Solche im großen Stiel betriebene Enteignungen und der Entzug von Lebensgrundlagen lokaler Bevölkerung und Minderheitsgruppen durch die Hand der mächtigen Konzerne sind auf der ganzen Welt Teil des Big Business. Möglich gemacht durch Schwachstellen im Regierungsapparat und korrupte Beamten. **Diese Aussagen beziehen sich nicht auf Trung Nguyen Coffee.



21. Jahrhundert | Sozialistische Republik Vietnam | Produktion und Export

Robusta-Produzent und Exportweltmeister Vietnam

Neben dem Reisanbau ist der Kaffee das wichtigste Agrarprodukt und Exportgut der Vietnamesen. Ein Produktionsvolumen von über 1,6 Millionen Tonnen Kaffee pro Jahr macht Vietnam zum weltweit zweitgrößten Kaffeeproduzenten (2017). Brasilien steht mit knapp 3 Millionen Tonnen Produktionsvolumen (2017) an erster Stelle. Wobei die Mittelamerikaner die Hälfte ihres Kaffees selber trinken. Die Anbauflächen werden in Vietnam immer noch kontinuierlich ausgebaut. Es wäre also möglich, dass sich Vietnam in den nächsten Jahren als Exportweltmeister von Kaffee krönen kann. Das Ziel liegt - soweit ich gelesen habe - irgendwo im Bereich von 600'000 Hektar, die mit Kaffee bewirtschaftet werden sollen. Anders als in Brasilien ist die Verfügbarkeit von Land in Vietnam geographisch bedingt limitiert.


Die vietnamesischen Kaffee-Bestände werden vorwiegend in die Nachbarländer exportiert. 90% des Kaffees verlassen Vietnam in rohem, nicht veredeltem Zustand, also als "minderwertige" grüne Kaffeebohnen, die eher unterdurchschnittliche Marktpreise erzielen. Die Bohnen sind meist in gemahlenem Zustand in chinesischen Instant-Kaffeemischungen wieder zu finden.

80% der Robusta Produktion stammt aus den höher gelegenen Regionen (westliches Hochland). Đắk Lắk als größter Produzent steuert 43% zum gesamt-vietnamesischen Robusta Output bei, Gia Lai und Lâm Đồng produzieren als zweitgrößte Kaffee Regionen 41%. Der hiesige Kaffeebauer hat mittlerweile verstanden, dass Qualität zwar mehr Arbeit aber auch höhere Margen bedeuten. Der Wunsch nach lokal und nachhaltig produzierten Premium-Produkten steigt auch bei den inländischen Kaffee-Konsumenten. Unternehmen schauen sich nach Herstellern um, die vom Anbau bis zur Veredelung alle Herstellungsschritte selber kontrollieren.


Vietnamesische Kaffeepflückerinnen in der Provinz Dak Nong

Neue Wege gehen Kooperativen, Kaffeebauern die sich im Verbund zusammenschließen. Selbstbestimmtes Arbeiten mit Kosten-/Lastenausgleich und Effizienzsteigerung im Verbund. Eine marxistisch-leninistische Idee, die durchaus Sinn macht und in der Agrarwirtschaft sehr oft zur Anwendung kommt. Regional organisiert können die Produzenten mit vereinigten Kräften agiler wirken und bessere Abnehmer-Verträge durchsetzen. Dies bringt für den einzelnen Kaffeebauer und seine Familie mehr Sicherheit und Stabilität. Durch Weiterverarbeitung der Rohware, zum Beispiel durch das Trocknen und Lagern der Bohnen sind die Produzenten den großen Preisschwankungen auf dem Kaffeemarkt - der sich je nach Angebot und Nachfrage stark verändern kann - nicht mehr willkürlich ausgesetzt.


Der Kaffee wird von der Kooperative übernommen, eingelagert und zum bestmöglichen Marktpreis veräußert. Darlehen, die früher von Zwischenhändlern an Bauern vergeben wurden, um Zeiten in denen der Kaffeepreis in den Keller sackte zu überbrücken, sind durch ein stabiles Umfeld nur noch selten nötig und können falls doch, über die Kooperative zu humanen Zinsen bezogen werden. Hohe Verschuldung, Land- und Existenz-Verlust als mögliche Konsequenz gehören der Vergangenheit an.


Arabica Kaffee Busch. Eine Schönheit!

Arabica in Vietnam

Der Arabica Strauch benötigt eine aufwendige rundum Pflege und die Kaffee-Beeren wollen einzeln gepflückt werden. Auf den Busch klopfen wie es beim pflegeleichten Robusta gemacht wird, ist mit den Arabica Pflanzen nicht möglich. Patricia Marquez, General Manager von Starbucks Vietnam sagte 2016 gegenüber Southeast Asia Globe, es sei ein volles Jahrzehnt nötig, um eine Umstellung auf eine ertragreiche Arabica Produktion erfolgreich zu realisieren. Die Qualitätsansprüche des Marktes an Premium Bohnen könne nur mit professionellen Anbaumethoden, intensiver Pflege und fachgerechter Ernte erlangt werden.

Wie der neueste Bericht der ICO (International Coffee Organisation) von diesem Jahr (März 2019) aufzeigt, hat die Vietnamesische Regierung in den letzten Jahren einiges an Aufwand betrieben, um die Arabica Anbauflächen zu vergrößern. Kleinproduzenten wurden dabei gefördert und mit Subventionen ausgestattet. Die Arabica Produktionen sind Klima bedingt eher in den nördlichen Zentral Regionen, im nördlichen Mittelland sowie in den Bergregionen ganz im Norden angesiedelt. Siehe Arabica Anbaugebiete (Dunkelgrün) auf der nachfolgenden Map.


Starbucks hat bereits seit mehreren Jahren Kaffeeproduzenten in Da Lat unter Vertrag, die spezielle Robusta-Arabica Hybrid-Pflanzen anbauen. Dieses kleine Kontingent an Premium Kaffeebohnen wird zu einer exklusiven Kaffeemischung verarbeitet, die nur bei Starbucks Vietnam für den hiesigen Privatverbraucher erhältlich ist.



Die lokalen Kaffee-Verarbeiter holen das Maximum aus den Vietnamesischen Kaffeebohnen heraus. Die hierzulande erhältlichen Kaffeemischungen bestechen durch eine spezielle und besonders starke Röstung, was dem Kaffee eine leichte Süße, eine unverkennbare Karamell- und Schokoladen-Note verleiht. Viele der kleinen Cafes überlassen beim Rösten und Mischen nichts dem Zufall und setzen beim hauseigenen Kaffee-Bedarf auf erlesenste Qualität. Oftmals sind es Eigenmarken, Mischungen die nur in dem entsprechenden Café erhältlich sind. In Da Nang gibt es einige kleine traditionelle Cafés, die sich im Kaffeerösten verstehen und mit den modernisierten Röstanlagen aus der Vorkriegszeit ihre Mischungen nach Bedarf frisch herstellen.


Tipp von mir: Falls du Vietnam in der nächsten Zeit besuchst und du Kaffee mit nach hause nehmen willst, gibt es also keinen Grund diesen vakuumiert im Supermarkt zu kaufen. Viel besser sind die Mischungen, die es in den kleinen Cafés zu kaufen gibt. Am Besten die Packung mit den ganzen Bohnen wählen und erst zu Hause mahlen.




21. Jahrhundert | Vietnam | Persönlicher Erfahrungsbericht I

Cafés soweit das Auge reicht ...

Die Vielfalt und die Dichte der Cafés in Vietnam ist kaum zu übertreffen. Scheinbar braucht es aber all die Lokale, da in den meisten zumindest zu irgendeiner Tageszeit Hochbetrieb herrscht. Man kennt sie vor allem aus dem Norden. Von Bildern aufgenommen in Hanoi. Aber es gibt sie überall in Vietnam. Die traditionellen Straßencafés warten mit deftigen vietnamesischen Kaffeespezialitäten auf. Kleine Tische und Hocker, aufgereiht irgendwo mitten auf dem Gehsteig oder entlang einer Mauer die Schatten spendet, unter den Bäumen im Innenhof eines Wohnquartiers oder auf dem Vorplatz des Wohnhauses in dem die Wirtin mit ihrer Familie wohnt.

Typisches Straßencafé in Vietnam

Obwohl äußerst sympathisch und wohl die reinste Verkörperung der Kaffeekultur in Vietnam, sind diese Straßencafés nicht für jeden Anlass oder jede Tageszeit geschaffen. Kleine, feine Kaffeestuben in hübschen (manchmal nachgebauten) Herrenhäusern aus der Kolonialzeit, versteckt in den Seitengassen bieten ein etwas anderes Kaffee-Erlebnis. Steinböden, holzgeschnitzte Wand- und Fensterverzierungen, ein schlichtes und authentisches Interior. Bilder und Dekor aus einer anderen Zeit lassen einem in der Vergangenheit schwelgen.

Moderne Cafes, mit fantastischer Innenarchitektur, sorgfältig kreierten Look und professionellem Branding bedienen ein Klientel das ich als "Hipsters" bezeichnen würde. Daneben offene, mit Luft und Licht durchflutete Lokale, mit begrünten Terrassen laden zum Kaffee-happening am Nachmittag ein. Sofa-Landschaften, schummriges Licht und gemütliche Separees sind perfekt geschaffen für die Zweisamkeit, für lange Kaffeekränzchen mit Freunden, geschäftliche Geheimniskrämereien oder ungestörtes Arbeiten am Laptop.


Ich persönlich habe selbstverständlich auch meine Lieblings-Orte, die ich je nach Laune, Wetter und mitgebrachter Arbeit immer wieder besuche und schätze. Grundsätzlich mag ich es gerne einfach und bevorzuge die Straßencafés. Richtig starker Kaffee mit dem unverkennbaren Mocca-Abgang wird da serviert, reichhaltig an Koffein das einem beim ersten Schluck merklich belebt. Klassen-übergreifend und ganz nach sozialistischen Manieren sitzt da der Geschäftsmann mit weißem Hemd und den polierten Schuhen neben dem Motorrad-Taxifahrer, dem Studenten oder der Runde Bauarbeiter.

Zu meinen Favoriten gehören auch die eher etwas trashig angehauchten, durch charmante Improvisation punktende Lokale. Guter Kaffee, gemütliches Interior, ein Platz mit Sicht auf die Straße und nicht zu laute Musik sind meine Hauptkriterien.



21. Jahrhundert | Vietnam | Vietnams Coffee-Chains

Vietnamesische Kaffee-Riesen

Die vietnamesischen Chains, die Kaffeehaus-Ketten und deren Heißhunger auf Expansion müssen hier natürlich ebenfalls erwähnt werden. Ich persönlich kann mit Konzernen, Einheitsbrei und Mainstream jeglicher Art grundsätzlich nicht viel anfangen. Obwohl die Kaffee-Ketten in Vietnam wirklich innovativ sind und die Lokale richtig was hergeben, kommt irgendwie einfach keine Kaffee-Stimmung auf. Ein Barista der jeden seiner Kunden samt den Vorlieben derer kennt ist mir viel lieber. Die Kunst des Kaffee-Brauens geht eben weit über den Tassenrand hinaus.

  • Nguyen Trung Coffee Corporation. Sein Kaffee Imperium hat  Đặng Lê Nguyên Vũ zusammen mit seiner langjährigen Frau Le Hoang Diep Thao aus dem Nichts geschaffen, gestartet mit einem kleinen Café und einer Kaffeerösterei an seinem Geburtsort Buôn Ma Thuột, in Đắk Lắk, der bekanntesten Kaffee-Provinz in Vietnam. Heute ist das Hauptgeschäftsfeld von Trung Nguyen das Exportgeschäft, die Veredelung von Kaffeebohnen, Kapseln und ein breites Sortiment an Instant Kaffee. Die Scheidung von seiner Frau, die letztes Jahr (2018) in den vietnamesischen Medien ausgetragen wurde, hatte wohl Auswirkungen auf das Geschäft. Vũ hat Teile der Firma an seine Exfrau verloren und inländische Marktanteile gingen Flöten.

  • The Coffee House Company mit Hauptsitz in Ho Chi Minh, legt großen Wert auf prägnante Innenarchitektur, Store Designs die die Kundschaft beeindruckt und so binden soll. Wohl durchdachte und individuell an den jeweiligen Standort angepasste Laden-Konzepte mit dem gewissen Etwas sind das Markenzeichen der Firma. Großzügige, mehrstöckige und mit Glasfassaden versehene Stores, die nicht immer an prominentester Lage, jedoch strategisch durchaus an guten Plätzen eröffnet werden, repräsentieren die national mit um die 100 Outlets vertretene Cafe-Kette in jeder größeren Stadt. Der Kaffee ist mittelmäßig gut, die Pastry und Cookie Auswahl finde ich jedoch gelungen.

  • Das 2002 von einem US-Vietnamesen gegründete Unternehmen Highlands Coffee wurde in wenigen Jahren ein ernst zunehmender Big Player auf dem Vietnamesischen Markt. Inner 12 Jahren eröffnete die Kette über 60 Outlets. Seit 2014 ist Highlands Coffee in philippinischen Händen. Die Restaurant-Gruppe Jollibee Foods Cooperation erhöhte ihrerseits die Expansionsgeschwindigkeit nach der Übernahme, eröffnete in nur fünf Jahren 140 weitere Standorte in ganz Südost Asien. Main Target auch bei Highlands: Weg von der Business Klasse mit Fokus auf junges Publikum und Familien. Freundliche Shops, gute Standorte und moderate Preise sind die Erfolgs-Formeln.

  • Eines der jüngeren Start-ups mit dem Namen Cong Caphe und Sitz in Hanoi besticht mit Lokalen im Retro-look aus den Vietnam der 70'er Jahre. Die old school gestalteten Outlets, ein unverkennbares Branding, ein auf das lokale Bedürfnis abgestimmtes Getränkeangebot mit Cong Signature Specials und ein auffällig gutes Preis-Leistungsverhältnis kommt vor allem bei den jungen Vietnamesen gut an. 11 Jahre nach der ersten Shop-Eröffnung in Hanoi (2007) wurde das Cong Caphe-Konzept 2018 erfolgreich in Korea lanciert.

Weitere inländische Ketten, die in den letzten Jahren in den Vietnamesischen Markt eintraten sind Phuc Long , Urban Coffee Station und Thug Coffee.



21. Jahrhundert | Vietnam | Die Meerjungfrau in Vietnam

I don't lavish my bucks on Starbucks

Starbucks ist 2013 mit sehr optimistischen Wachstums-Forecasts in den vietnamesischen Markt eingetreten, musste die Prognosen seither aber laufend nach unten korrigieren. In knapp sechs Jahren konnte der US Konzern rund 38 Shops landesweit eröffnen und ist somit auf Vietnams Kaffeehaus-Landkarte so gut wie unsichtbar. Eine Schlappe für den in Südost Asien und in China sehr erfolgreichen Konzern. Nicht dass mich das wirklich bedrücken würde. Nein, es erfüllt mich sogar mit leicht beschwingter Schadenfreude. Wie gesagt, ich bin kein Freund der Monopolisten und der interkontinentalen Konzerne, die bewiesenermaßen langfristig mehr Schaden anrichten als das sie der Gesellschaft einen Mehrwert bringen. Einheitsbrei ist todlangweilig, Markenkult beeindruckt mich nur ganz selten. Ich bin ein Verfechter des Individualismus. Wenn dann noch die US Flagge vor dem Hauptsitz weht, fällt der Sympathiewert schnell auf Null.


Neues von der Meerjungfrau. Frischer Wind mit neuem Logo 2017

Espresso im Pappbecher? Ein Lungo ohne sämigen Kaffee Schaum und in der Farbe eines Eistees? Milch und Kaffee haben ein Kompatibilitätsproblem. Ich weiß, das sehen viele Leute anders. Auch die Starbucks Kunden mögen offensichtlich gerne viel Milch, reichlich Süßstoff, Jelly Cubes, Sahne bis zum abwinken und synthetische Toppings. Starbucks wirbt mit erlesenem Premium Kaffee, der Kaffee-Anteil seinerseits ist jedoch nach dem Beimischen von so vielen  verschiedenen "Fremdsubstanzen" verschwindend klein. In meinen Augen eine Verschwendung der Premium Bohnen mit denen Starbucks ihre Produkte immer wieder anpreist.


Shops die architektonisch nichts hergeben, ein Selbstbedienungs-Konzept bei dem ich meinem Kaffee nachrennen bzw. dafür anstehen muss. Trotz notwendiger Eigeninitiative ist der Kaffee teurer als sonstwo. Dazu der immerwährende Geruch von überhitzter und leicht verbrannter Milch in der Luft ertrage ich nun wirklich gar nicht.

Starbucks' Markenkult hätte beim Vietnamesen, der Statussymbole liebt und sich diesen Zwecks Profilierung und Inszenierung auch gerne bedient durchaus Chancen. Nun, was ist der Grund für die eher nüchterne Bilanz eines sonst mehr oder weniger sehr erfolgreichen Big Players?

  • Ich persönlich glaube, dass die hohen Preise ein Wesentliches zu der Unpopularität von Starbucks beitragen. Man darf nicht vergessen, der Vietnamesische Besucher ist zwischen 15 und 30 Jahre jung und hat für gewöhnlich kein riesiges Budget zu Verfügung. Schmerzgrenze  überschritten, Mehrwert für den Konsumenten nicht ersichtlich.

  • Die Konkurrenz auf dem Vietnamesischen Markt ist vielfältig, selbstbewusst und nicht erst seit gestern im Geschäft. Sie kennt ihren Vietnamesischen Kunden und seine Vorlieben ganz genau.

  • Die von Starbucks bevorzugten Standorte in den Stadtzentren und an den hoch frequentierten Orten sind rar und wenn überhaupt verfügbar, sind die Mieten astronomisch hoch und haben dementsprechend Einfluss auf die Preise im Menü.

  • Die Spieße für internationale Konzerne sind nun einmal nicht gleich lang wie die der Vietnamesischen Konkurrenten. Man könnte es auch Vetternwirtschaft nennen. Nur schon um einen Shop zu eröffnen, wird Starbucks ein mehrfaches an Ressourcen benötigen als der Einheimische Kontrahent. Wer in Vietnam erfolgreich Geschäften will braucht gute Beziehungen. Ich bin mir sicher, dass die Konkurrenz diese Beziehungen auch nutzt, um dem amerikanischen  Konzern - wenn immer möglich -  Steine in den Weg zu legen.


21. Jahrhundert | Vietnam | Persönlicher Erfahrungsbericht II

Wohlfühlzone, Treffpunkt, Arbeitsplatz, ein Ort zum verweilen

Für Vietnamesen gibt es wohl immer einen Grund sich in ein Café zu setzen. Dies kann ich mittlerweile auch von mir selber behaupten. Mit Kaffeetrinken kann man für gewöhnlich nichts falsch machen. Ich habe zwar einen Phin (Erklärung weiter unten) zuhause, raus gehen und den Kaffee auf der Straße trinken schmeckt aber viel besser.

Von Sonnenaufgang bis kurz vor Mittag trifft sich der hiesige Vietnamese gerne mit Bekannten und Freunden auf einen Schwatz oder zwei und regelt seine geschäftliche Angelegenheiten.


Zur Mittagszeit platzen viele Lokale aus allen Nähten. Durch Bäume geschützte, der Mittagssonne trotzende, gut durchlüftete Lokale mit Sitzplätzen von denen aus das Geschehen auf der Straße überblickt werden kann sind hoch im Trend.

In den Vietnamesischen Cafés ist es nicht üblich eine Speisekarte zu führen oder gar Lunch anzubieten (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dafür sind die diversen Food-Stalls an jeder Straßenecke nicht weit. Es ist aber nicht unanständig, sein mitgebrachtes Essen im Café zu verspeisen.



Die Nachmittage gehören all jenen die Zuflucht vor der erdrückenden Hitze suchen. Studenten, die in kleinen Gruppen an Hausaufgaben arbeiten oder Gemeinschaftsprojekte fertigstellen finden sich ein. Tiến lên Kartenspieler versammeln sich zur nachmittäglichen Spielpartie um die kleinen Tische. Es wird mit bescheidenen Geldbeträgen hantiert, Karten werden lautstark eingeworfen, neckische Sprüche geklopft, und früher oder später liegt man sich in den Haaren.



Chinesische Schachbretter (Xiangqi) sind in den traditionellen Cafés zu finden. In Vietnam heisst das Spiel Cờ tướng. Das Strategie-Spiel stellt eine Feldschlacht zwischen zwei Kriegsparteien dar und ähnelt dem westlichen Schach oder dem koreanischen Janggi. Die flachen, runden Spielsteine, bemalt mit verschiedenen roten und schwarzen chinesischen Zeichen werden vorwärts bewegt wobei der "Rote Fluss" in der Mitte des Feldes die Beweglichkeit der Steine beeinflussen oder gar blockieren kann.


Kurz vor fünf dann, füllen sich die Cafés langsam mit Arbeitern aus den umliegenden Geschäften und Büros. After Work Coffee & Chat ist angesagt.

Der Vietnamese trifft sich generell sehr gerne mit seinen Freunden und der Familie. Dabei spielt der Wochentag nicht so eine große Rolle. Nach der Arbeit versammelt man sich samt Kind und Kegel im Fisch- und Meeresfrüchte-Restaurant, beim Koreaner zum BBQ, im Hot Pot Restaurant oder eben zum abendlichen Kaffeeklatsch. Kurz vor Sonnenuntergang sind viele Lokale gut besucht. Jugendliche die sich wegen der Internetverbindung einfinden, in Gruppen Online Games spielen und die mit Tabak gestopften Bong's rauchen. Familien mit Kindern, Freundeskreise. Pärchen, vereinzelte Laptop- Benutzer, Touristen, ... Ein bunt gemischtes Publikum genießt den Feierabend auf den Strassen.



21. Jahrhundert | Vietnam | Phin, Kondensmilch, Grüntee & Co.

Vietnamesisches Kaffee-Lexikon

Phin - Sữa - Đá

Traditionell wird vietnamesischer Kaffee in einzelnen Portionen mit einem französischen Tropf-Filter namens "Phin" gebrüht. Dabei wird frisch gemahlener Kaffee in die Filterkammer gefüllt. Ein Schluck heißes Wasser und kurzes Mischen lassen den Kaffee quellen. Ein dünnes Sieb wird nun aufgesetzt und in der Filterkammer heruntergedrückt, sodass der gequollene Kaffee gut angedrückt wird. Die Filtervorrichtung kann nun auf eine passende Tasse oder ein Glas aufgesetzt werden. Heißes Wasser wird eingefüllt und das ganze mit einem Deckel abgedeckt, der das Kalt-werden des Kaffees während des länger andauernden Durchlauf-Vorgangs verhindert. Der Deckel hat noch eine zweite Funktion: Nach dem Brühvorgang dient er als Auffangschale der letzten Tropfen unter dem von der Tasse entfernten Kaffeefilters. Nichts wird hier verschüttet.



Während der Kaffee nun seine Zeit braucht um gemächlich in die Tasse zu sickern,  kann das Getränk serviert werden. Der Phin wird an den meisten Orten auf einem Tablet serviert, auf dem sich neben dem Kaffee selber eine Schale oder ein Glas mit Eis und ein kleiner Krug Kondensmilch befinden. Das Eis kann benutzt werden um aus einem Cà phê Phin einen Phin Đá zu machen. Die Kondensmilch wird nach dem Brühvorgang dem Kaffee beigegeben falls man einen Phin Sữa bevorzugt. Dieser wiederum mit Eis vermischt ergibt einen Phin Sữa Đá. Soweit alles klar?


*Phin = schwarzer Filterkaffee |  *Sữa = Milch (in Kombination mit Phin oder Cà phê immer Kondensmilch) | *Đá = Eis.


Die Einzelportion Phin ist auf dem Menü zwar weiterhin zu finden und auch in jedem Café erhältlich. Er wurde aber von den großen Tropf-Filtern, die meistens in mehrfacher Ausführung an der Bar stehen, weitgehend ersetzt. Dies hat neben dem zeitlichen Aspekt natürlich betriebswirtschaftliche Gründe. Größere Mengen Kaffee werden vorgebrüht, in handliche Flaschen abgefüllt und sind so schnell bereit zum Servieren und Trinken. Wer also einen einen Cà phê đen oder einen Cà phê sữa bestellt (Mà không Đá / ohne Eis, also heiß), wird eine Tasse Kaffee serviert bekommen, die im heißen Wasserbad schwimmt. Der vorgebrühte Kaffee wird nicht in Thermoskannen aufbewahrt -was dem Kaffee auch nicht wirklich gut tut- und wird nun schwimmend auf Temperatur gebracht.


Nicht das, was der Europäer sich unter einer Tasse heißem Kaffee vorstellt. Meine Mutter hat sich immer über den lauwarmen Kaffee beschwert. Versteh ich ja, ich trinke nur geeist! Vielleicht besser, wenn Europäer hierzulande Cafés mit Kolben-Kaffeemaschinen aufsuchen :).



Kondensmilch (sữa bốc hơi)

Die gezuckerte Kondensmilch in Dosen wurde 1827 von einem französischen Konditor erfunden. Das Zugeben von Zucker war ursprünglich entscheidend für die Konservierung. Die ungezuckerte Kondensmilch erfand ein Schweizer und diese wurde 1885 in Amerika patentiert. Die eingedickte Milch wird dabei durch Homogenisieren konserviert. In Frankreich trank man schon im 19. Jahrhundert gerne Milchkaffee. Kuhmilch konnte in Europa problemlos mit Natureis gekühlt werden, welches seit Anfang des 19. Jahrhunderts industriell abgebaut und für die Kühlung der Eisschränke jener Zeit benutzt wurde.


Milchkühe gab es in Vietnam jedoch keine und auch wenn, Natureis konnte in Südost Asien nirgends abgebaut werden. Die hiesigen Tagestemperaturen machten die Aufbewahrung unbehandelter Milch schlicht unmöglich. Der Handel von Fischprodukten über den Seeweg vor der Industrialisierung war eine Herausforderung. Die gesüßte Kondensmilch als Alternative kam in den 1860'er Jahren nach Indochina.


Auch wenn es in Vietnam schon lange Import-Milch aus Australien und pasteurisierte Frischmilch in Da Lat produziert wird, die Kondensmilch im vietnamesischen Kaffee ist geblieben. Mit dem leicht nussigen Geschmack, der dicklichen Konsistenz und dem erhöhten Fettgehalt ist die Kondensmilch ein idealer Zusatz für Kaffee und durchaus mit der Kaffeesahne zu vergleichen, die in weiten teilen Europas der Tasse Kaffee beiwohnt.



In der Schweiz ist ein "Kafi Grääm" ein Lungo mit separat servierter Kaffeesahne und die ist auf Biegen und Brechen immer mit dabei. Die Kaffeesahne hat ähnlich wie die Kondensmilch einen mit 15% recht hohen Fettanteil (Milch 3.8%) und dient zur Geschmacks- und Säure-Harmonisierung. Ein Kaffeeliebhaber sagt jetzt natürlich: "Harmonisierung? Der Kaffee ist mit über 100 Geschmacks-Variablen das komplexeste Getränk überhaupt und braucht bestimmt keine Kaffeesahne!" Richtig. Kaffeesahne macht die Tasse Kaffee wahrscheinlich einfach gesellschaftsfähiger ....


Die gesüßte Kondensmilch rundet gleichwohl den Geschmack des sehr dunkel gerösteten, starken vietnamesischen Kaffees ab, gleicht den Säuregehalt aus und harmoniert ausgezeichnet mit den süßlichen Karamell-Noten. Eine ideale Ergänzung und Kombination, solange das Verhältnis zwischen Kondensmilch und Kaffee stimmt. Sehr wichtig zum Beispiel bei dem geeisten Cà phê sữa Sài Gòn, ein geschütteltes Kaffeegetränk mit einem Schuss Kondensmilch und viel Eis. Die Farbe des schaumigen Getränkes sollte - wenn man es richtig macht - dunkelbraun sein und keinesfalls die Kondensmilch-lastige Farbe Beige aufweisen.


Eiskalter Grüntee (Trà Đá)

Eines der Dinge die ich an der Kaffeekultur in Vietnam wirklich unglaublich schätze ist das Glas milder, eisgekühlter Grüntee, der kurz nachdem man im Café einen Tisch bezogen hat unaufgefordert serviert wird. Eine tolle Sache, dieser Grüntee. Einerseits dient das Getränk dazu, den immerwährenden leichten Durst der einem in Vietnam durch den Tag begleitet zu bändigen. Andererseits ist es wunderbar, sich dem Staub der Straße zu entledigen, damit das volle Aroma des Kaffeegetränk das gleich im Anschluss serviert wird zur vollen Geltung kommt.


Diesem Glas Grüntee kommt jedoch eine weit grössere Bedeutung zu, als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Es soll die uneingeschränkte Gastfreundschaft bekunden und den Gast zum Verweilen einladen. In den Cafés, in denen man sich dieser Bedeutung bewusst ist, wird uneingeschränkt Tee nachgeschenkt. Ganz egal wie viele Getränke man konsumiert oder wie lange man im Café sitzt. Grandios nicht? 

Ich muss aber auch dazu sagen, dass gewisse neue Betriebe sich nicht mehr die Mühe machen Grüntee zu brauen und stattdessen Wasser oder noch schlimmer gar nicht servieren zum Kaffee servieren ...



Nord und Süd

Die Luftlinie zwischen dem nördlichsten (Đồng Văn, Tỉnh Hà Giang, Việt Nam) und dem südlichsten Punkt Vietnams (Huyện Ngọc Hiển, Tỉnh Cà Mau, Việt Nam) beträgt 1'642,88 Kilometer. Das sind 2'477,04 Kilometer wenn man die Straße benutzt. *Messungen mit luftlinie.org: hier gehts zur MAP.


Trotz dieser unglaublichen Distanz weht vor jedem Haus auf der gesamten Strecke die gleiche rote Flagge und ein Bild von Uncle Ho ist bestimmt auch nicht weit.

Die Veränderungen und Unterschiede werden aber schnell sichtbar, wenn man vom Norden in den Süden reist oder das Land in entgegengesetzter Richtung erkundet.


Das nördliche Terrain gestaltet sich hügeliger, die Distanz zum Meeresspiegel vergrößert sich und die Landschaft wird rauer. Das tropische Klima im Süden bringt Hitze und Trockenheit, während im Norden die Temperaturen fallen und Niederschläge häufiger vorkommen. Diese klimatischen Unterschiede haben selbstverständlich Auswirkungen auf die Vegetation. Erdige, warme Farben dominieren den Süden, ein intensiveres und kontrastreicheres Farbenspiel und differenzierte Lichtverhältnisse zeichnen die nördlichen Regionen und die Hochebenen aus.


Eng verbunden mit dem Klima ist der Tagesrhythmus der Menschen. Im Süden, bis hinauf ins südliche Zentral-Vietnam ändert sich über Mittag und am frühen Nachmittag die Arbeitsgeschwindigkeit merklich. Wer kann, legt eine Pause ein während die Sonne. Dafür beginnt das Tagesgeschäft bereits um ca. 4.30 am Morgen. Im Norden ist man dagegen bedeutend später auf den Beinen.


Die sprachlichen Unterschiede zwischen Nord und Süd werden dann offensichtlich, wenn man selber ein wenig Vietnamesisch spricht. Der Saigonese ist relativ gut zu verstehen und man wird selten korrigiert auch wenn die Aussprache nicht ganz richtig ist. Im Norden verstehe ich absolut gar nichts und das beruht auf Gegenseitigkeit. Nicht nur die Dialekte ändern sich von Region zu Region, auch die Wortbedeutungen und Bezeichnungen variieren. Probleme in der Verständigung zwischen Nord- und Süd Vietnamesen sind keine Seltenheit.

Chi Tung Lai im Mekong Delta

Der Nord-Vietnamese wirkt in seiner Art  ein wenig ruppig, distanziert und leicht unterkühlt, während der Süd-Vietnamese eine viel offenere und umgänglichere Art an den Tag legt. Die Gastfreundschaft der Menschen im Süden ist dafür manchmal fast ein wenig zu intensiv, während man im Norden dem Gast mit angenehmer Zurückhaltung begegnet.


Bild oben: Cầu Rạch Miễu (Rach Mieu Brücke) ist die Verbindungs-Brücke zwischen dem südlichen Mekong Delta und HCMC nahe bei Bến Tre und Mỹ Tho.


So gibt es auch auffallende Verschiedenheiten und geografisch bedingte Vorlieben wenn es um Kaffee geht. Im Norden bevorzugt man kleinere Kaffeeportionen, dafür darf es an Intensität nicht fehlen. Dunklere Röstungen, ein starker und aromatischer Kaffee wird bevorzugt. Man unterscheidet zwischen Cà phê Đen (schwarz), Cà phê Đen Đá (schwarz mit Eis), Cà phê Sữa (braun mit Milch) und Cà phê Sữa Đá (braun mit wenig Eis). Eine Spezialität aus Hanoi is der Cà phê trứng (Kaffee mit Ei). Schaumig gerührtes Eigelb gemischt mit einem starken Schuss Kaffee.

Riverside Coffee happening. Irgendwo in Vietnam.

Heller Cà phê sữa Sài Gòn

Im Süden werden die Kaffeeportionen eher größer. Klimatisch bedingt trinkt man den Kaffee selten heiß und es wird viel Eis verwendet. Auch die Eiswürfelform und -Größe verändern sich. Tendenziell wird im Süden mehr Kondensmilch verwendet als anderswo in Vietnam. Cà phê Đen Đá (schwarz mit Eis) oder Cà phê Sữa Đá (mit Milch und Eis) oder Cà phê sữa Sài Gòn (geschüttelt, mit Milch und viel Eis) sind die Kaffeespezialitäten aus dem Süden.


Auch wenn es große Unterschiede in vielen Dingen gibt, Unterschiede wie man spricht, was man denkt und wie man handelt. Auch wenn man sich manchmal kopfschüttelnd gegenübersteht und überhaupt nicht versteht was der andere meint. Auch wenn die Kluft gross ist und die "Nördler" und "Südler" sich beim Aufeinandertreffen liebend gerne in die Pfanne hauen, eines ist vom tiefen Norden, über Zentral-Vietnam und das Mittelland bis in den äußersten Zipfel des Südens gleich:


Die Passion für Kaffee teilt man überall im Land. Man ist unglaublich stolz auf den Vietnamesischen Kaffee und die außergewöhnliche Kaffeekultur die man in Vietnam pflegt. Eine Kultur die längst zum Symbol der ganzen Nation geworden ist.

Einblicke in die Menükarte

In den traditionellen Straßencafés werden ausschließlich die einheimischen Kaffeespezialitäten angeboten. Nước soda (Sodawasser), nước cam tươi vắt (frisch gepresster Orangensaft), nước chanh (Limonen-Wasser) oder nước mia (Zuckerrohr Saft) ergänzen das Angebot.


Die italienische Kolben-Kaffeemaschine ist auch hierzulande schon lange fester Bestandteil der Cafés. Erhältlich sind neben Espresso, Lungo und Espresso Macchiato, natürlich Cappuccino mit extra reicher Vietnam Style Schoko-Verzierung und der Cà Phê Bạc Xỉu, die große Tasse Milchkaffee dürfen auf dem Menü nicht fehlen. Seltener sieht man Latte Macchiato.

*Eigentlich logisch aber ich sags trotzdem nochmals: Für die italienischen Kaffee-Klassiker wird natürlich Kuhmilch verwendet :).



Die Getränkekarten fallen je nach Ort sehr umfangreich aus und es finden sich immer wieder sehr schöne Kreationen darauf. Hier ein Auswahl von populären Getränken:

Egg Coffee (bereits erwähnt) oder Ca phe bò đá xay (Avocado Ice Blend mit Espresso Shot), Ca phe Kem (mit Glace), đá xay (Ice Blends) in verschiedenen Geschmacksrichtungen zum Beispiel mit Kokosnuss, Double Mocca oder Cheese Cookie, heiße oder kalte Macha Grüntee Shakes, Bananen Shakes mit Schokolade, Crunchy Caramel, Erdnuss oder Orero Cookie Crumbs. Sinh tố (Smoothies) frisch gemixt mit Erdbeeren oder Blaubeeren (werden in Da Lat angebaut), mit Mango, Jack-Frucht, Avocado, Melone oder Drachenfrucht, ein allerlei von frisch gepressten Fruchtsäften.

Ein Teesortiment auf dem neben Grüntee aus den Highlands der heiße Ingwertee oder ein kalter Pfirsichtee mit Zitronengras aufwarten. Hausgemachte Soda Ice Blends die mit Konzentraten (Sirups) hergestellt und mit frischen Früchten angereichert, mit oder ohne Kohlensäure serviert werden. Trà sữa Đá (geeister Milch Tee) mit zum Beispiel Black Jelly oder süß eingelegten Bohnen, Fruchtgetränke mit Joghurt und Honig oder Mojitos mit Passionsfrucht oder Lychee, Lemon und Minze.


Wie man sieht, auch die Koffein-Abstinenzler haben in den meisten Cafés eine richtig große Auswahl...

Auf bald irgendwo in einem lauschigen Café in Vietnam!


Da Nang City, Vietnam © August 2019 Pascal Laube

So, hier sind wir also am untersten Ende dieses Posts angelangt. Ich bin ein klein wenig stolz: Ich schätze den Beitrag als sehr gelungen ein. Weg von den Hunderten Posts die online mit Titeln wie "The 15 worth to visit Café-Spots in ...." zu finden sind, wollte ich etwas anderes machen.


Ich hoffe dir hat es ebenso Spaß gemacht den Post zu lesen wie mir diesen zu schreiben. Über dein Feedback freue ich mich natürlich jeder Zeit. Yella. Good Session!

Links & Recherche Nachweise

Meine Link Sammlung zum Thema Kaffee findest du HIER.

Hier gehts zu meiner Google Maps Liste Favourite Cafés in Da Nang.


#foodie #vietnam #coffee #history

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